Header-Bild ist Chirocephalus diaphanus © A. Hartl
ANOSTRACA Branchipus schaefferiEubranchipus grubiiTanymastix stagnalisChirocephalus diaphanusStreptocephalus torvicornisArtemia spec.

ANOSTRACA - Feenkrebse

Chirocephalus diaphanus Prévost, 1803

Durchsichtiges Handköpfchen

Chirocephalus diaphanus © Repro M. Engelmann

Titelseite des dritten Heftes des "Schatzkämmerleins für Natur und Kunst" von 1704 in dem der englische Naturalist James Petiver berichtet, dass er den in London vorkommenden "kleinen, rückenschwimmenden Tümpelkrebs" selbst "aus seinem Ei gezüchtet" hat. Die 1709 nachgelieferte Abbildung zeigt eindeutig einen Anostraken, der heute auch aufgrund der Jahreszeitangabe im Text ("im Frühjahr") Chirocephalus diaphanus zugeordnet wird.

Chirocephalus diaphanus © A. Hartl

Männlicher Chirocephalus diaphanus in typischer Schwimmhaltung.

Chirocephalus diaphanus © A. Hartl

Weiblicher Chirocephalus diaphanus mit dem auffallend langen und vom Körper abstehenden Brutbeutel.

Habitatfotos

Der englische Apotheker und Naturforscher James Petiver beschrieb 1704/09 als erster einen Großbranchiopoden, der anhand der mitgelieferten Abbildung tatsächlich als Anostrake erkennbar ist, als Squilla lacustris minima, dorso natante. Allerdings eignen sich weder Beschreibung noch Abbildung für eine Artdetermination. Da auch die 1758 im Systema naturae von Carl von Linné gelieferte Beschreibung von Cancer stagnalis ungenau war (heute wird sie Tanymastix stagnalis zugeordnet), gilt der Schweizer Bénédict Prévost als Erstbeschreiber. Er hatte sich in einem 1803 veröffentlichten Artikel ausführlich mit den Unterschieden der von ihm in die Gattung Chirocephalus gestellten Taxa beschäftigt. Der wissenschaftliche Name ist übersetzt auch der deutsche: „Durchsichtiges Handköpfchen”.

Merkmale und Habitat

Entsprechend ihres Namens sind die Tiere fast durchsichtig mit rötlicher (Weibchen) oder grünlicher (Männchen) Tönung; die Furca erscheint rötlich. Der Brutbeutel der Weibchen ist auffallend lang, schwach Konus-förmig und steht vom Körper ab. Er überragt mindestens zwei weitere Körpersegmente caudal; seine Färbung variiert zwischen gelb-braun und violett. Bei den Männchen sind die ausgeprägten Frontalanhänge lappenartig und besitzen fingerartige Anhänge. Die 2. Antennen haben eine auffallend kräftige Basis.

Chirocephalus diaphanus kommt heute auf dem Territorium des Bundesrepublik Deutschland nur noch an einer Fundstelle am Rhein vor.

Jahreszeitliches Vorkommen

In allen für Deutschland publizierten Vorkommen waren die Tiere im April nachweisbar.

Geschlechterverhältnis und Vergesellschaftung

Wo untersucht, konnten in den Vorkommen sowohl männliche als auch weibliche Tiere nachgewiesen werden. Gelegentlich wurde eine Vergesellschaftung mit Lepidurus apus beobachtet.


Eine Hilfe zur Bestimmung finden Sie hier.

Verbreitungsübersicht von Chirocephalus diaphanus in Deutschland.

 

Habitate von Chirocephalus diaphanus in Deutschland und weiteren Ländern in Europa

Biotop-Aufnahme Chirocephalus diaphanus © J. Venzlaff

Fundort von Chirocephalus diaphanus bei Mainz (Rheinland-Pfalz).

Biotop-Aufnahme Chirocephalus diaphanus © J. Venzlaff

Unauffällig auf einer Pferdekoppel und von Maisäckern umgeben ist dieser Fundort von Chirocephalus diaphanus in der Provinz Limburg in den Niederlanden. Die Wasserfüllung der kleinen Senke erfolgt im Frühjahr; im Sommer trocknet sie aus.

 

Streptocephalus torvicornis