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Forscher und Anekdoten

Kurzbiographien von Autoren, die erste Arbeiten über Großbranchiopoden veröffentlicht haben und auch kleine Artikel über andere Aspekte, die mit der (einheimischen) Großbranchiopodenfauna in Verbindung stehen, werden hier in loser Folge veröffentlicht.

Jacob Theodor Klein, ein Branchiopodenforscher; Repro © M. Engelmann

Jacob Theodor Klein - um etwa 1740. In der linken Hand hält er einen Zettel, auf dem Seeigel abgebildet sind. Das nimmt Bezug auf sein 1734 erschienenes Werk zur Naturgeschichte und Systematik dieser Tiere. Kupferstich des Leipzigers Johann Christoph Sysang (1703-1757) nach einem Gemälde, das sich in der Universitätsbibliothek Erlangen befindet.

Jacob Theodor Klein

(* 15. 8. 1685 Königsberg; † 27. 2. 1759 Danzig)

Jacob Theodor Klein studierte in seiner Geburtsstadt Rechtswissenschaften, Geschichte und Mathematik. Es folgten Reisen, die ihn unter anderem an verschiedene deutsche Universitäten, nach Holland, England und Schweden führten. In dieser Zeit knüpfte er Kontakte zu den herausragenden Naturforschern seiner Zeit. Seit 1713 arbeitete er als Stadtsekretär für die Freie Stadt Danzig. In dieser Funktion hatte er auch repräsentative Aufgaben wahrzunehmen. So vertrat er zwischen 1714 und 1716 Danzig zunächst am Polnisch-Königlich-Chursächsischen Hof in Warschau und Dresden, begleitete dann den Zaren Peter I. durch Deutschland und reiste schließlich an den Hof des Königs von Großbritannien nach Hannover. Zwar stieg Klein anfangs einige Sprossen auf der dienstlichen Karriereleiter nach oben, doch schlug er später Beförderungen aus. Offenkundig - so zumindest der Autor einer "Lobrede" im Jahr 1778 - um sich intensiver den Naturwissenschaften widmen zu können. Klein bekundet in einem von ihm verfassten, kurzen Lebenslauf, dass er während des Studiums in Königsberg "grosse Lust zu den physikalischen Wissenschaften insbesondere zur Naturhistorie ... empfunden" habe.

In Danzig ließ Klein im Jahr 1718 einen botanischen Garten anlegen, in den er auch ein Gebäude für sein Naturalienkabinett bauen ließ ("Museum Kleinianum"). Kleins Garten enthielt unter anderem Orangenbäume und einen Kaffeebaum. Das Naturalienkabinett gelangte noch zu seinen Lebzeiten in großen Teilen nach Dresden und Bayreuth. Im Jahr 1729 wurde er zum Fellow of the Royal Society in London, 1748 zum Mitglied der Accademia delle Scienze dell'Istituto di Bologna ("Akademie der Wissenschaften des Institutes von Bologna") und 1756 der Kaiserlich-Russische Akademie der Wissenschaften in Petersburg gewählt; zudem war er Mitbegründer und Mitglied der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Danzig (1743) und wurde 1755 in die Deutsche Gesellschaft in Jena aufgenommen. Er stimmte in einer Reihe von Aspekten nicht mit dem von Carl von Linné vorgeschlagenen System der Tiere und Pflanzen überein und gilt als einer seiner zeitgenössischen Widersacher.

Klein gebührt das Verdienst, der erste Naturforscher gewesen zu sein, der einen Notostraken als neue Tierart beschrieben und für dessen naturgetreue Abbildung gesorgt hat. Auch ist - anders als bei der Zuschreibung von Petivers Squilla lacustris minima zu Chirocephalus diaphanus - die Artdetermination bis heute zweifelsfrei. Klein sandte seine Beschreibung von - wie wir ihn heute nennen - Triops cancriformis mit Zeichnung und Alkoholpräparat an den Berliner Schulrektor Johann Leonhard Frisch, der Kleins lateinischen Text ins Deutsche übersetzte und 1732 in seine mehrbändige Abhandlung der "Beschreibung von allerley Insecten Teutschlands" aufnahm.

Im 1737-1738 herausgegebenen, 40. Band der "Philosophical Transactions of the Royal Society of London" erfolgte die Veröffentlichung eines anderen Briefes, den Frisch an den Präsidenten der Royal Society gesendet hatte mit dem Titel: "Insectum aquaticum, antea non descriptum, cujus Iconem & descriptsionem ad ilustr." ["Ein bisher nicht beschriebenes Wasserinsekt mit Bild und Beschreibung der Illustration(en)"]. Interessant ist der Titel des Briefes deswegen, weil in ihm "antea non descriptum" ("bisher nicht beschrieben") enthalten ist. Tatsächlich hatte Klein schon am 18. Oktober 1729 einen (ebenfalls in Latein geschriebenen) Brief mit der Beschreibung der Tiere nach London gesendet 1). In ihm nennt der Autor das Tier "Scolopendra aquatica scutata", zu Deutsch: "schaliger Wasservielfuß" und erwähnt, dass es zusammen mit (Zehnfuß-) Krebsen gefischt wurde, den Fischern aber unbekannt war. Die Tiere waren in Uderwangen beobachtet worden 2). Es dauerte also acht Jahre, bis Kleins Brief samt Abbildungen veröffentlicht wurde. In der Zwischenzeit, nämlich 1732, erschien die Beschreibung des Großbranchiopoden schon in deutscher Sprache, was einen Teil des Titels in den "Philosophical Transactions" ("antea non descriptum") eigentlich obsolet machte. Klein selbst aber, das geht aus dem Text hervor, hat das Tier nicht gefunden; es wurde ihm gebracht. Wer der mögliche Finder war, das werden wir demnächst hier diskutieren. Es bleibt spannend!


1) GB 117, Ref. RBO/15/5 und CLP_15ii_20; den Mitgliedern der Royal Society wurde er schon am 18. Juni 1730 in London zur Kenntnis gebracht

2) Uderwangen bei Königsberg (heute: Tschechowo; Rußland), vermutlich im Überschwemmungsbereich des "Frischlings" (heute: r. Prokladnaja)

Quellen für die biographischen Daten

BRAUN, M. (1906-1908): Jacob Theodor Klein's Aufzeichnungen über sein Leben. - Zoologische Annalen 2: 135-141.

SENDEL, Ch. (1778): Lobrede auf den Herrn Secretair Theodor Klein. - Neue Sammlung von Versuchen und Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig 1: 300-316.

Leben und Schriften Herrn Jacob Theodor Kleins, weiland ältesten Secretärs der Stadt Danzig. - In: Johann Daniel TITIUS (Hrsg.) (1760): Neue Gesellschaftliche Erzählungen für die Liebhaber der Naturlehre, der Haushaltungswissenschaft, der Arzneykunst und der Sitten. Adam Heinrich Holle, Leipzig, S. 129-144.

GEUS, A. (1969): Die Portraits des Danziger Naturforschers Jacob Theodor Klein (1685-1759). - Berichte der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth 13. S. 91-96.