Header-Bild ist Lepidurus apus © O. Schaper
NOTOSTRACA Triops cancriformis Lepidurus apus

NOTOSTRACA - Rückenschaler

Lepidurus apus (Linnaeus, 1758)

Frühjahrsschildkrebs, Kleiner Schildkrebs, Schuppenschwanz

Titelseite der Erstbeschreibung © Repro  M. Engelmann

Erste Beschreibung von Lepidurus apus durch den Regensburger Pfarrer Jacob Christian Schäffer als „Kiefenfuß mit der langen Schwanzklappe”.

Lepidurus apus © M. Engelmann

Ein weibliches (oben) und ein männliches (unten) Tier aus einem Fundort an der Elbe.

Lepidurus apus © M. Engelmann

Detailaufnahme des Telsons (letztes Körpersegment), das - gattungstypisch - dorsal vogelfederartig verlängert und mit Dornen besetzt ist (vgl. Form des Telsons bei Triops cancriformis).

weitere Fotos Habitatfotos

Erstbeschreibung durch den Regensburger Prediger, Jacob Christian Schäffer, im Jahre 1756 als „Kiefenfuß mit der langen Schwanzklappe”. Linné nennt Monoculus apus in seinem Systema naturae mit der Referenz zu Frisch (!). Als „fussloser Schuppenschwanz” muss der gültige wissenschaftliche Name übersetzt werden.

Merkmale und Habitat

Lepidurus apus weist die typischen Notostraken-Merkmale auf (großes ovalförmiges Rückenschild mit V-förmigen Einschnitt; bedornter und in Ringen gegliederter Hinterleib (Abdomen), der über das letzte Hinterleibssegment (Telson) in zwei fadenförmige Anhänge übergeht). Anders als bei Triops cancriformis besitzt aber das Telson dorsal eine ausgezogene und verbreiterte, an eine Vogelfeder erinnernde Verlängerung (Supra-Analplatte). Die adulten Tiere erreichen auch nicht die Körpergröße von Triops cancriformis.

Die Vorkommen von Lepidurus apus liegen überwiegend entlang von Flüssen, die noch eine Auendynamik mit Frühjahrshochwasser aufweisen. Dabei kommen sie nicht nur in mit Druckwasserstellen landwärts von Deichen vor sondern auch in überschwemmten Vordeichbereichen. Die Gewässer sind meist klar und mit Gras bewachsenen, auch ist der Untergrund nicht selten von Laub bedeckt. Anders als Triops cancriformis zeigt Lepidurus apus kein ausgeprägtes Wühlverhalten, dass die Gewässer so stark eintrüben würde.

Jahreszeitliches Vorkommen

Bei uns meist im Winter/Frühjahr mit Schwerpunkt in den Monaten April und Mai. Die Nauplien schlüpfen bei 1-2 °C Wassertemperatur; die adulten Tiere vertragen auch weitaus höhere Temperaturen. Früheste Beobachtung: Januar, späteste: Juni.

Geschlechterverhältnis und Vergesellschaftung

Weibliche, am 11. Beinpaar Eitaschen tragende Tiere bilden in allen Vorkommen die überwiegende Mehrheit. Männliche Tiere (ohne Eitaschen und mit auffällig aktivem Schwimmverhalten) sind viel seltener, doch wurden in vielen Vorkommen bei intensiver Nachsuche auch Männchen gefunden.

Besonders häufig sind gemeinsame Vorkommen mit Eubranchipus grubii. Gelegentlich ist Lepidurus apus auch mit Tanymastix stagnalis vergesellschaftet. Im einzigen Vorkommen des Conchostraken Lynceus brachyurus in Deutschland wurde auch Lepidurus apus nachgewiesen.


Eine Hilfe zur Bestimmung finden Sie hier.

Verbreitungsübersicht von Lepidurus apus in Deutschland.

Weitere Fotos zu Lepidurus apus

Lepidurus apus © M. Engelmann

Bauchseite eines Weibchens von Lepidurus apus.

Lepidurus apus © A. Hübner

Größenvergleich: gezeigt wird ein typischer "mittelgroßer" Lepidurus apus.

Lepidurus apus © U. Manzke

Lepidurus apus sucht geflutete Kräuter nach Nahrung ab.

Lepidurus apus © M. Engelmann

Detailaufnahme der Bauchseite im Bereich der Mundregion von Lepidurus apus. Erkennbar sind die Bauchrinne, Oberlippe, Mandibel und die bläulich erscheinenden Extremitäten.

Habitate von Lepidurus apus in Deutschland

Biotop-Aufnahme Lepidurus apus © M. Engelmann

Fundort von Lepidurus apus nördlich von Magdeburg an der Elbe (Sachsen-Anhalt). Eine ehemalige Lehmgrube, die inzwischen eine starke Krautschicht aufweist, liefert die nötigen Bodenvertiefungen, die sich im Frühjahr meist mit Wasser füllen.

Biotop-Aufnahme Lepidurus apus © U. Zuppke

Auch in solchen "Hochwasserresten", hier bei Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt) lassen sich noch Lepidurus apus nachweisen.

Biotop-Aufnahme Lepidurus apus © O. Schaper

Überschwemmungstümpel im Allertal bei Eilte (Niedersachsen), bei bereits sinkendem Wasserstand. Zu diesem Zeitpunkt läßt sich Lepidurus apus relativ einfach und schnell nachweisen.

Biotop-Aufnahme Lepidurus apus © U. Manzke

Lepidurus apus ist vor allem in den Frühjahrs-Überschwemmungstümpeln der Flussauen anzutreffen, hier im Leinetal bei Hannover (Niedersachsen).

Storch frisst Lepidurus apus © U. Manzke

Flutrinne/Altarmrest der Leine bei Hannover (Niedersachsen), als Lebensraum von Lepidurus apus. Im Hintergrund ein Weißstorch (Ciconia ciconia), der gezielt Schuppenschwänze fängt und verspeist. Lepidurus apus scheint regional und saisonal ein wichtiges Futter für den Weißstorch und weitere Vögel (z. B. Reiher, Möwen) zu sein.

Storch frisst Lepidurus apus © L. Meckling

Nahaufnahme des Fressens von Lepidurus apus durch den Weißstorch (Überflutungsaue im Biebrza-Nationalpark, Polen). Typisch ist hierbei das "Gründeln (s. Foto links), Hochwerfen und anschließende Verschlucken". Klaus-Peter Pryswitt beobachtete im Leinetal, dass innerhalb von 10 Minuten über 100 L. apus von einem Storch verspeist wurden.

Biotop-Aufnahme Lepidurus apus © U. Zuppke

Sind die Überflutungstümpel trockengefallen, kann man mit etwas Glück noch einige Zeit die auf dem Trockenen liegenden und verstorbenen Schuppenschwänze finden.

 

Branchipus schaefferi