Header-Bild ist Eubranchipus grubii © U. Manzke
Schutz und Rote Liste Deutschland

Bitte beachten Sie folgende Regeln und Informationen zum Schutz unserer Urzeitkrebsvorkommen

Regeln und Informationen zum Schutz unserer Urzeitkrebsvorkommen

Das Vorkommen der Großbranchiopoden ist untrennbar mit dem Vorhandensein geeigneter, vorübergehend wasserführender Lebensräume verbunden. Wobei - wie unter den Artenportraits ausgeführt - die einzelnen Spezies unterschiedliche Habitatansprüche stellen. Demzufolge hat der Schutz der Lebensräume oberste Priorität, wenn wir die Großbranchiopoden erhalten wollen!

(1) Schützen Sie die Vorkommen, indem Sie den zuständigen Behörden und uns Funde von Urzeitkrebsen mitteilen! Nur so können Maßnahmen eingeleitet werden, die die Habitate der Tiere sichern.

(2) Melden Sie den Behörden und uns, wenn die Lebensräume und damit die Vorkommen durch Schutt- oder Müllverkippungen, Baumaßnahmen oder andere Eingriffe in die Natur bedroht sind.

(3) Zwischen zwei aufeinander folgenden Beobachtungen der Tiere am selben Fundort können mehrere Jahre liegen. Die Dauereier (Zysten) der meisten einheimischen Arten behalten wahrscheinlich für mindestens 10 Jahre ihre Schlupffähigkeit. Somit ist das Ausbleiben von Funden über wenige Jahre kein Beweis für das Erlöschen des Vorkommens, solange der Lebensraum erhalten bleibt. Trotzdem aber sollten solche Vorkommen genauer beobachtet werden.

(4) Das Auftreten von Prädatoren (insbesondere Wasservögel) sorgt mit großer Wahrscheinlichkeit für die (natürliche) Verbreitung der Urzeitkrebse und stellt somit keine Gefahr für die Vorkommen dar.

(5) Setzen Sie keine Tiere aus „Aquarienzuchten” in die freie Natur! Sie könnten die lokal typischen Vorkommen verdrängen und mittel- oder langfristig deren Existenz bedrohen. Auch das eigenmächtige Um- oder Ansiedeln einheimischer Tiere ist zu unterlassen!

(6) Grundsätzlich sind alle wildlebenden Tiere und Pflanzen geschützt, und diese dürfen ohne vernünftigen Grund nicht beeinträchtigt werden. Zur genauen Bestimmung der verschiedenen Arten ist allerdings das Fangen und Sammeln einiger Belegexemplare (Alkoholpräparate) zwecks einer genauen Artdiagnose notwendig.

Belegexemplare (ca. 3-5 Individuen pro Geschlecht sind ausreichend) sollten an das Museum für Naturkunde in Magdeburg, Dr. Hans Pellmann [Hans.Pellmann (at) museen.magdeburg.de] oder einen der Ansprechpartner (s. dort) verschickt werden.

Unter den deutschen Großbranchiopoden sind einige Arten nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt, bzw. sind streng geschützt. Zum Fangen und Sammeln wird eine Ausnahmegenehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde benötigt! Die geschützten Arten sind:

Feenkrebse (Anostraca)

  • Branchipus schaefferi (Sommer-Feenkrebs),
  • Tanymastix stagnalis (Eichener Feenkrebs),
  • Chirocephalus diaphanus (Durchsichtiges Handköpfchen),
  • und bei den Muschelschalern (Conchostraca)

  • Lynceus brachyurus (Dickbauchkrebs),
  • Leptestheria dahalacensis (Kleine Estherie).
  • Weitere Informationen über den gesetzlichen Schutz finden Sie auf den entsprechenden Seiten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN): www.wisia.de

     

    Rote Liste Deutschland (2016)

    2016 ist die neue und aktualisierte Rote Liste der gefährdeten Blattfußkrebse Deutschlands erschienen (SIMON 2016). Alle Arten werden als bedroht eingestuft, wobei die Einstufungen von "ausgestorben/verschollen", über "vom Aussterben bedroht" bis zu "stark gefährdet" reichen.

    Quelle:
    SIMON, L. (2016): Rote Liste und Gesamtartenliste der Blattfußkrebse (Branchiopoda: Anostraca, Conchostraca, Notostraca) Deutschlands. - In: GRUTTKE, H.; BINOT- HAFKE, M.; BALZER, S.; HAUPT, H.; HOFBAUER, N.; LUDWIG, G.; MATZKE-HAJEK, G. & RIES, M. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 4: Wirbellose Tiere (Teil 2). - Münster (Landwirtschaftsverlag). - Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (4): 367-378.